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23. September 2025 | 2 Minuten

Von Den Haag bis Straßburg: Das politische Jahr hat begonnen

Von Den Haag bis Straßburg: Das politische Jahr hat begonnen

Jedes Jahr gibt es eigentlich zwei Thronreden. Eine in Den Haag, wo König Willem-Alexander im Namen einer geschäftsführenden Regierung die Kaufkraftzahlen vorliest. Und eine in Straßburg, wo Ursula von der Leyen vor der Europäischen Union über die Zukunft des Kontinents spricht. Der eine beschränkt sich auf Nachbarschaft, Arbeit und Wohnen, die andere spricht über Drohnen, Energieautobahnen und strategische Autonomie. Zwei Welten, aber dennoch dieselbe Botschaft: Es wird nicht einfach werden.

In Den Haag wird die Bevölkerung beruhigt. Die Niederländer profitieren im Durchschnitt von einer Steigerung von 1,3 Prozent, und die Senkung der Verbrauchsteuer auf Kraftstoff bleibt vorerst bestehen. Hinter dieser Beruhigung verbergen sich jedoch beunruhigende Töne: eine steigende Staatsverschuldung, ein Defizit, das knapp unter der Brüsseler Norm liegt, und Unternehmen, die vor einem stillen Sturm warnen. Nach Ansicht von Unternehmern handelt es sich dabei nicht um Gerüchte, sondern um einen schleichenden Killer unserer Ertragskraft.

Straßburg war intensiver und viel länger: Die Rede zur Lage der Union (SOTU) ist etwa fünfmal so umfangreich wie die Thronrede. Während Den Haag noch nach Kompromissen sucht, malt die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, ein Bild von einem Europa, das für seinen „Independence Moment” kämpfen muss. Milliarden für Verteidigung, KI und Infrastruktur, ein europäischer Plan für bezahlbaren Wohnraum und ein Scale-up-Fonds, damit Tech-Unternehmen nicht länger an amerikanisches Kapital verloren gehen.

Das klingt nach großartigen Versprechungen aus Brüssel, aber für die Niederlande sind es unmittelbare Rahmenbedingungen. Ohne europäische Energiekorridore bleiben Wohnungsbau und Industrie aufgrund von Netzengpässen in einer schwierigen Lage. Ohne europäische KI-Kapazitäten bleibt die niederländische Debatte über die Digitalisierung vor allem auf dem Papier stehen, und ohne europäische Koordination und Skalierung bleiben die Sorgen um unser Investitionsklima in der Verärgerung der Haager Politik stecken.

Der Unterschied im Tonfall ist vielsagend. Die Thronrede versucht, Ruhe zu bewahren: Die Niederlande stehen gut da, aber es gibt auch Sorgen. Die SOTU erkennt die Unruhe an: Europa befindet sich in einem Kampf, und wer nicht mit am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte. Aber der Kern ist derselbe: Existenzsicherheit, Sicherheit und Erwerbsfähigkeit erfordern Maßnahmen.

Für Unternehmen und Organisationen ist dies kein zeremonielles Spiel, sondern der tatsächliche Startschuss für das politische Jahr. Was in Den Haag als Kaufkraft und Stickstoff klingt, erscheint in Brüssel als strategische Autonomie und Industriepolitik. Es sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer glaubt, nur im Ridderzaal oder nur in Straßburg zuhören zu müssen, verpasst die Hälfte der Geschichte.

Und so beginnt das politische Jahr mit zwei Thronreden. Die eine mit Hüten, die andere mit roten Hemden. Die eine sagt, dass „alles gut läuft”, die andere betont, dass es morgen schon anders sein kann. Gemeinsam bestimmen sie, wie Unternehmen, Branchen und Regierungen in den kommenden Jahren um ihren Platz kämpfen müssen.

Möchten Sie auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene sicherstellen, dass Ihre Interessen sichtbar sind, Sie mit am Tisch sitzen und tatsächlich mitreden können? Dann wenden Sie sich bitte an roel@castro.lu.